Zwei Welten

am 27.07.2008 aus dem Hier und Jetzt hören ja. trinken "Frauen"tee. wetter Ventilator erforderlich.

Mir ist was aufgefallen.

Immer erzähle ich, dass wir die Welt in der wir leben in unserem Kopf zusammenbasteln. Und das stimmt. Aber erlebt, dass es tatsächlich so ist, habe ich erst in den letzten Wochen.

Das ist nämlich so: Ich habe viele Menschen getroffen. Und ein oder zwei konnte ich besuchen. In ihrer Welt. Oder zumindest bekam ich mit, wie ihre Welt so ist. Und wo die Unterschiede sind zu meiner Welt.

Wovon ich eigentlich rede? Achja. Also, erst einmal sind es Möglichkeiten. Auch relativ banale. Genutzte Möglichkeiten. Ein Kühlschrank voller leckerer Sachen, zum Beispiel. Dass man um die Ecke geht, leckere Pommes essen. Oder zum Kiosk, ein Eis kaufen. Dass man das kann und es auch tut. Und dann sind da noch andere Sachen. Menschen, die man gerne hat und die vorbeikommen. Lieblingsorte, wo man hingehen kann - eine Wiese zum Draufliegen. Sowas. Und dann vielleicht noch, dass man draussen in der Straßenbahn jemanden trifft, den man kennt und mit dem man redet. Das ist mir alles so ... fremd, ja. (Beschämend, das zuzugeben.)

Gerade die ersten Dinge sind Kleinigkeiten, eigentlich. Aber eine Welt in der sie fehlen ist, verglichen mit der Welt in der es sie gibt, arm. Ein bißchen bin ich bestürzt, beinahe, dass ich vorher nicht wusste, wie toll es ist eine riesige Tüte Popcorn im Kino zu kaufen. Oder barfuss ein Wassereis holen gehen. Oder ein Glas Bruschetta im Kühlschrank zu haben. So ganz kann ich es immer noch nicht glauben. Oder will nicht einsehen, dass sowas mich glücklich macht. Dass sowas wichtig ist.

Und an anderen Stellen fällt mir auf, wie es mir nicht so gut geht, wie es mir gehen könnte, weil mich meine Angst davon abhält für mich zu sorgen. Im banalsten Fall, mir etwas zu essen zu besorgen. Zum Beispiel.

Und: Seit ich darauf achte höre ich es immer wieder. Menschen, die Dinge genießen zum Beispiel. Die drei Frauen die von der Arbeit nach Hause fuhren im Zug. Und die eine meinte: " ... dann setz ich mich gemütlich hin und trink 'ne lecker Tasse Kaffee." Ihr Ton und ihr Gesicht machten deutlich, dass das etwas Wunderbares war, worauf sie sich freute. Und noch besser, die anderen beiden nickten und freuten sich mit. Nur ich verstand das nicht so ganz. Ich wollte auch! Das Konsumieren eines Heissgetränks so zelebrieren, dass es etwas war worauf man sich vorfreut. Ich dachte, das ist nur in der Werbung so.

Ich habe auch gemerkt, wie sehr mich meine Angst einschränkt. Wieviel ich mir wegnehme, in dem ich (weil ich Geld nicht unnötig ausgeben möchte und es vermeide, das Haus zu verlassen) bis heute noch nie bei diesem Kiosk gewesen bin. (Dabei kostet das Wassereis nur dreissig Cent.)

All diese Gelegenheiten etwas Schönes zu erleben ... haben gefehlt. Während anderer Menschen Welt diese dutzendfach bereithält. Eigentlich furchtbar einfach. (Vielleicht auch das mit den netten Menschen, denen man in der Bahn begegnet, und die machen, dass das Draussen kein schrecklicher, feindseliger Ort ist - sondern ein Ort, an dem man nette Menschen treffen kann. Darüber aber ein anderes Mal mehr.)

Ein bißchen ist es, als hätte ich nur die Trial-Version dieses Spiels, in der an allen Ecken und Enden eingeschränkt ist was ich tun und wo ich hingehen kann. Aber das hört jetzt auf.