Die Dinge lieben.

am 11.05.2012 aus dem Hier und Jetzt

Wenn man vor der Wahl steht, ob man etwas wunderbar findet oder nicht, sollte man sich für Ersteres entscheiden.

Asseln, zum Beispiel.
In den ersten drei Jahren, in denen ich Tausendfüßer hielt, habe ich Asseln für einen mehr oder weniger erwünschten Nebeneffekt gehalten. Sie waren mir unheimlich, diese vierzehnbeinigen, grauen Tierchen mit den nervösen Fühlern, die sich im Waldlaub verbargen.
Zwei Jahre später, jetzt: Ich liebe Asseln. Ich liebe die
schwarz-weiss gestreiften Zebrarollasseln. Ich liebe die ganz gewöhnlichen Kellerasseln. (Die größte nenne ich liebevoll "Big Mama".) Ich liebe die gefleckten Mauerasseln. – Mittlerweile liebe ich Asseln. Und ich bin froh, sie so liebgewonnen zu haben. Hätte ich es nicht, würde mir eine Menge Freude entgehen.

Oder Zugfahren, zum Beispiel.
Ich fahre häufig mit dem Zug. Gezwungenermaßen. Essen – Dortmund – Bochum – Duisburg. Manchmal auch Köln. Ich habe angefangen Züge zu lieben. Die Blitze an den kalten Oberleitungen. Die Wärme und Geborgenheit eines Zugs, der einem da hin bringt, wo man hin möchte. Nach Hause, vielleicht. Die Menschen, an deren Leben man teilhaben kann, für einen kleinen Augenblick. Ich habe begonnen, Zugfahren zu lieben.

Wenn man vor der Wahl steht, ob man etwas wunderbar findet oder nicht, sollte man sich für Ersteres entscheiden. Es macht das Leben besser.

Und vielleicht ist es das, worum es für mich geht: Wunderbare Dinge sammeln. Von A wie Asseln bis Z wie Zügen.