Vier Wände

am 09.07.2008 aus dem Hier und Jetzt hören still trinken Jasmintee wetter schwarz wie die ... genau

Der Straßenname war's. Deswegen habe ich angerufen. Obwohl keine Bilder dabei waren. Und auch sonst nichts aussagekräftiges. Na gut, "Dachgeschoss" stand da, und "direkt am S-Bahnhof" in meinem bevorzugten Viertel. Und ich liebe Dachgeschoss. Bahnfahren auch. Also habe ich angerufen. Ich saß im Sonnenschein an der Straßenbahnhaltestelle und dachte mir, so ungefähr beginnt vielleicht mein neues Leben. Und irgendwie lag ich damit vielleicht nicht so falsch. Aber das bleibt noch zu zeigen.

Ich fuhr hin. Wieder schien die Sonne. Ich guckte mir die Menschen in der Straßenbahn genau an. Ich wollte es ganz genau wissen. Dass es nicht Duisburg ist. Nicht wie Duisburg ist. Und tatsächlich. Die Menschen in der Straßenbahn waren in Ordnung. Die auf der Straße auch. Das war nicht Duisburg. Das war wunderbar.

Skeptisch wie ich selbst meiner Begeisterung gegenüber bin unterzog ich die umliegenden Straßen einer kurzen Betrachtung. Tatsächlich. Niemand guckte mich schief an und das saubere Trottoir schien die Altpapierreste von letzter Woche nicht zu vermissen.

Und dann die Wohnung und der Mensch, den ich im Folgenden "der Mitbewohner" nennen möchte. Sich gemütlich hinsetzen (ja, wirklich gemütlich - nicht auf IKEA-Plastik-Klappstühlen), einen Kaffee trinken. Reden, sich über die Sonne freuen.
Die Wohnung: Ja, das war meins. So wollte ich wohnen. Eigentlich war es ein wenig so, als wohnte ich da schon und wüsste es nur noch nicht. Ich bemühte mich sogar, meine Begeisterung zurückzuhalten. Ich traute mir nicht ganz.

Das Gespräch bei Kaffee und Keksen brachte mich ganz durcheinander. Menschen waren anstrengend. Ich war ein verschüchtertes, asoziales Ding. Ich hatte Probleme mit Menschen. Oder doch nicht? Wohl doch nicht. Nicht immer. Ich konnte mich mit einer wildfremden Person hinsetzen und mich dabei wohlfühlen. Zumindest an diesem Tag, mit dieser Person. Das war wunderbar.

Ich verließ den Tatort mit einem Kopf voller Begeisterung und Unglauben. Das war einfach zu gut. Zu gut. Es war als würde mir schwindlig. Wahrscheinlich weniger von der Begegnung mit dieser WG als vielmehr von der Erkenntnis, dass ich die vergangenen zwei Jahre in einer Stadt, in einer Straße, in einer Wohnung, zwischen Möbeln und in einer Situation verbracht hatte, die ich nicht mochte. Die nicht zu mir gehörten, nicht passten. Nicht meins. Und immer wieder hatte ich versucht dieses Unbehagen in Worte zu fassen und anderen zu erklären, aber die hatten mich nicht verstanden. "Die Wohnung ist doch gar nicht so schlimm." Doch, ist sie.

Wenn mir abends kalt ist im Bauch - und so selten ist das nicht, wärme ich mich mit Gedanken an mein neues Zimmer und mein neues Leben. Danke, Universum.