Unbeliebt

am 27.05.2009 aus einem Notizbuch voller unbeantworteter Fragen hören Manson trinken Chardonnay wetter not applicable

Manchmal wäre ich gerne ein wenig wie Anna.
Im Grunde bin ich's, ein wenig.
Anna sagte mal: "Ich muss mehr transparente Tops anziehen. Dann starren die Leute auf meine Titten statt auf die Narben." Und zwinkerte. Wenn sie ihre Tage hatte, sah sie sich Bilder von Tierheimhunden im Internet an und heulte. Aber - worauf ich gerade 'rauswill, sie sagte einmal: "Mein Gott, manchmal bringe ich einfach nicht die Selbstbeherrschung auf mich wie ein gewöhnlicher Mensch und irgendwie _nett_ zu verhalten wenn es _einmal_ nötig wäre." Sie verdrehte die Augen.

Wenn's einmal drauf ankommt und ich nett sein oder was Nettes sagen sollte - und ich weiss das und ich weiss was und ich wäre theoretisch in der Lage dazu - dann regt sich in mir Widerstand.

Dagegen, immer so zu tun als ob. Als ob es mich kümmern würde, Kinderarbeit und Ausbeutung und Leid und anderer Menschen Probleme. Gegen die soziale Konvention dauernd so zu tun als hätte man Mitleid. Abstreiten zu müssen, wenn man keines hat. Die Erwartungen und das Floskelgewichse. Menschen zu sagen was sie hören wollen weil sie es hören wollen. Zugeben dürfen, dass einem das Leid der einen Lebewesen* scheissegal ist. Aber bloß nicht bei den anderen.

Und überhaupt: Als müsse man immer nett sein. Wo ich manchmal einfach nur scheisse und ehrlich sein möchte. Und in Kauf nehme andere zu verletzen. Ich fühl' mich besser wenn ich ein wenig scheisse und dafür ein wenig ehrlicher bin. Ein bißchen wie Anna.

*(Muh.)