Menschen lernen

am 27.05.2008 aus dem Hier und Jetzt hören Straßengeräusche trinken Lapacho Orange-Spice wetter schwültrüb

Ich glaube, ich lerne Menschen. Zumindest übe ich.

Ich rede mit Menschen. Manchmal sage ich das Falsche, ziemlich oft zu wenig. Und immer frage ich zu wenig. Aber ich übe.

Woran ich noch arbeiten muss: Es scheint mir einfach nicht zu gelingen, interessiert zu sein. Oder zu wirken. "Nein, wirklich, wie interessant. Was machst Du da? / Wie lange machst Du das schon? / Macht das Spaß?" Brächte ich nicht über die Lippen. Kommt mir immer so geheuchelt vor. Auch wenn andere mich sowas fragen. Kommt mir immer vor, wie so ein Spiel nach abgelesenem Skript. Ich verdrehe dann manchmal innerlich die Augen und denke: Das musst Du mich jetzt fragen, weil wir dieses 'Gespräch'sding veranstalten und das so funktioniert. Und ich muss dazu jetzt Auskunft geben, weil das so funktioniert. Natürlich freue ich mich danach, dass ich halbwegs erfolgreich mit einem Menschen kommuniziert habe. Aber in dem Moment: Innerliches zebroides Augenrollen.

Das soll nicht heißen, dass mich Menschen nicht interessieren. Mich interessieren Menschen. Deswegen lese ich ihre Blogs, ihre Tweets oder beobachte sie in der Straßenbahn.

Aber diese Art der Kommunikation, diese Frage-Antwort-Spielchen, das finde ich so ... unnatürlich. Und manchmal lästig, irgendwie. Wie es mir lieber wäre? Ganz einfach. So wie hier.

Ich erzähle etwas was mich gerade beschäftigt, was mir wichtig ist. Das, von dem ich möchte, dass mein Gegenüber es (jetzt gerade) von mir erfährt. So dass sie oder er mich nicht als erstes nach meinem Studienfach oder meinem Job fragen, und mich im Folgenden primär danach einsortieren muss.

Am Liebsten möchte ich von anderen Menschen auch gerne erfahren, was sie beschäftigt, was sie begeistert und was sie nicht ausstehen können. Aber nicht auf Basis dieser Standard-Frage-Antwort-Spielchen.

Ich weiss: Ich könnte mir neue Fragen ausdenken. Was mich wirklich interessiert. Ich sollte meine eigenen Fragen stellen, dann wäre es nicht mehr geheuchelt. Was ist Dein Lieblingsbuch? Wie sieht Deine Wohnung aus? Erzähl von Deiner Familie. Worauf freust Du Dich wenn Du morgens aufwachst? Dazu müsste ich mich allerdings erst einmal trauen, mich vielleicht einen Moment lang irritiert angucken zu lassen.

Noch lieber wäre mir aber, wenn sich Menschen einfach hinsetzen und erzählen könnten, irgendetwas. Ich glaube, ich würde zuhören.