mehr als Vollpension

am 21.04.2010 aus einem Notizbuch voller unbeantworteter Fragen hören DRS Drüüh. trinken Pu-Erh. wetter Sonne geht unter.

Sie leiert aus, so eine Leier. Aber falls jemand das Lied noch nicht kennt, spiele ich es noch mal; es klingt auch auf verstimmten Saiten: Kein Bock. Alles anstrengend. Ständiges sich aufraffen. Zu Allem. Man rafft sich so herum. Dadumbadadum. Jammern macht auch keinen Spaß. Ein Glück: Atmen geht automatisch. Aufstehen leider nicht. Dadumbadadum. Kein Bock!

So müde und energielos. Kinners, und das in meinem Alter. Vermutlich könnte ich Energie aufbringen. Aber mir fällt nicht ein, wofür. Die Welt stellt nicht genug Belohnungshäppchen bereit, denke ich. Nichts lohnt. Dadumbadadum.

Immerhin: Es gibt gutes Essen. Das entschädigt für Einiges. Wie bei Parties, auf die man nicht gegangen wäre, wäre einem eine Ausrede eingefallen: "Immerhin, Buffet! Mit Oliven!" Dann versucht man, sich mit einer riesigen Portion Nudelsalat zu entschädigen. Die ist aber dann doch nie groß genug. Man hat einen vollen Bauch, aber man ist immer noch auf der falschen Party.

In meinem Kopf hatte ich schon einen Beschwerdebrief ans Universum fertig.
Aber dann wurde mir klar: Ich Trottel hab' zwar Vollpension gebucht, aber nicht das Animationsprogramm. Böse Briefe an den Reiseveranstalter bringen gar nichts. Die können nichts dafür, dass ich nur im Apartment auf meinem Arsch sitze und abends Touristen beim Fettpölsterchenwackeln zu den heissesten Hits der Neunziger zugucke.

Ich warte auf zwei Zivis mit kostenlosem Lächeln, die mich raustragen. Dahin, wo der Spaß ist. Damit ich dann nur noch Spaß haben muss. Spaß haben ist schließlich anstrengend genug.

Aber die verdammten Zivis kommen nicht. Eine Zeit lang war ich enttäuscht und auch ein wenig verärgert, weil die unten an der Bar sitzen, oder vielleicht sogar am Strand. Und Spaß haben, die Schweine. Und ich nur hier, oder sonst irgendwo vor einem Rechner.

Jetzt bin ich enttäuscht und auch ein wenig verärgert, weil ich selbst den Arsch nicht hochkriege. Als wäre mir eben erst aufgefallen, dass ich mir den Betthupferl selbst auf den Nachtisch legen, das Da-warst-Du-aber-tapfer-Bonbon selbst kaufen und die goldenen Fleiss-Sternchen selbst einkleben muss. Frollein Zebra schuldet mir so einige Tapferkeits-Bonbons, Fleiss-Sternchen und Betthupferl. Und nebenbei auch noch eine Menge awesome things. Mehr awesome things als man je Nudelsalat auf der schlechtesten Party essen kann.



Meine Hausaufgabe: Diese Dinge finden und in einen Beutel packen. Zettel dran: "Warum es sich lohnt".



P.S.: Lasst mich durch. Ich hab' einen Metaphern-Führerschein!
P.P.S.: Was ist in eurem Beutel?

westernworld am 21.04.2010:

mir fehlt der beutel ich glaub da fängt’s schon mal an.


yetzt am 21.04.2010:

die sieben. vom tapferen beutelschneiderlein.


zebramädchen am 21.04.2010:

Aber das macht doch nichts, westernworld! Tu einfach Deine Dinge in meinen Beutel! Muahahaha.


Scan am 22.04.2010:

Ja das Essen ist gut und es gibt da immer was neues zu entdecken. Süßholz-Zimt Tee mit Orange zum Beispiel.
Ich bin interessanterweise gerade im gleichen Alter und mir geht es ähnlich, nur mit weniger Metaphern. Ich würde noch ein paar gute Freunde in den Beutel stecken, die sind immer wichtig. Geben einem auch nicht genug Sternchen und Kram aber ab und zu das Gefühl diese Sternchen, Bonbons, Things gar nicht zu brauchen um glücklich zu werden.


ml am 22.04.2010:

In meinem Beutel ist nur eine Postkarte, die mich an die Schönheiten erinnert: http://tweetphoto.com/14233375. Am Ende jedoch gilt: es bleibt so langweilig, wenn du auf die Zivis wartest.


Hannah am 23.04.2010:

In meinem Beutel wären Murmeln und Seifenblasen .. Dinge, die für mich Freiheit und Glück symbolisieren. Ich weiß nur nicht genau, ob Seifenblasen in einem Beutel überlegen würden :D


Pallimaus am 30.04.2010:

wtf beim nächstenmal diese quirlige p!nke Pille mit dem kleinen h4rl3qu1n ins Beutelchen packen =) und vergiss den kleinen xD nicht dessen Mund immer so ein wenig deplatziert wirkt…


feli am 29.07.2010:

Hm, warum es sich lohnt – gute Frage. Ich liebe meine Hasis. Jetzt wo sie nicht mal eine Woche weg sind und ich sie die nächsten 2 Monate nicht sehen werde – mir blutet das Herz, auch wenns kitschig klingt. Und ich liebe es zu lieben. Liebe würd ich in meinen Beutel packen. Und wenigstens einen, der mich auch bedingungslos liebt. Und warum es sich lohnt – für die wenigen Kicks, die wenigen Hochgefühle, die euphorischen Gefühle wenn etwas passiert oder eintrifft auf das man hart hingearbeitet hat. Nicht mal zwangsläufig die wirtschaftliche Arbeit. Aber Arbeit an sich selbst. Das kribbelnde Gefühl wenn man etwas macht was man von sich selbst nicht geglaubt hätte. Die Angst dabei. Der emotionale Fallschirmsprung. Ich würd glaub ich gern mal Bunjee Jumping machen um die Emotionen irgendwie zu “verkörperlichen”. Außerdem ist das so eine perverse Mischung aus der Erfahrung/Realisierung meiner suizidialen Gefühle und eben jener emotionalen Kicks.
Und dann würde ich Düfte in meinen Beutel packen. Den Duft von Kräutermarinade. Den Duft von Erkältungsbalsam. Den Duft von Gewitter und Regen. Die Ruhe der Nacht. Eine Decke als Kokon.
Aber wenn ich ehrlich bin, so sehr ich die Dinge alle mag und liebe, für sie lohnt es sich letztendlich nicht. Und mir fällt tatsächlich nichts ein für das es sich wirklich lohnt. Also das Leben.