How To Do It Right

am 09.06.2011 aus einem Notizbuch voller unbeantworteter Fragen

Liebes Zebramädchen,
jahrelang hast Du diese Anleitung gesucht, man happiness, wie man glücklich wird.
Ich kann sie Dir nicht in die Vergangenheit schicken, aber hier ist sie:


  1. Vermeide nicht. Keine Ausreden.

  2. Übernimm die Verantwortung für Deine Gefühle und Deine Gedanken.*

  3. Akzeptiere, dass Du nicht immer glücklich sein wirst.

  4. Wenn es Dir mal nicht gut geht: Halte es einfach aus.

  5. Suche nicht nach Bestätigung.

  6. Was die anderen denken ist Fickscheisse.

  7. Starre Selbstbilder sind Fickscheisse.

  8. Fürchte Dich nicht davor zu versagen.

  9. Übernimm Verantwortung für Dich, für Deine Gesundheit und Dein Wohlergehen.

  10. Mach Dir keine Sorgen.

  11. Sei mutig.

  12. Jammere nicht.**

  13. Schiebe nichts auf.

  14. Enthalte Dir nichts vor.

  15. Lass Vergangenes auf sich beruhen.

  16. Akzeptiere Deinen Körper.

  17. Ärgere Dich nicht.


Und dann wären da noch Achtsamkeitsmeditation, Sport und guter Sex. Unter all dem anderen, das den Rahmen dieses Texts sprengen würde.

* (Du kontrollierst Deine Gefühle und Gedanken. Niemand anders ist verantwortlich dafür.)

** (Was ich dann in Zukunft in diesem Blog tun werde? Ich habe nicht die geringste Ahnung.)

fronx am 09.06.2011:

Ey, aber Punkt 5 ist ein bisschen schwer, manchmal. Vor allem wenn man sich gerade sowieso irgendwie voll unfähig vorkommt und gar keine Bestätigung erwarten kann.


zebramädchen am 09.06.2011:

Punkt 5 ist schwer!?

Die sind alle schwer, Mann! :)


leereversprechung am 09.06.2011:

Du hast hier viele Momente aufgehoben und eingelegt – ein kleines Herbarium vom du –, die hatten nichts mit Jammern zu tun. Den Teil vom Blog brauchst du nicht aufgeben, der kann bleiben.


Enno am 09.06.2011:

Müsste man mal näher auseinander nehmen, was an diesem Vulgärbuddhismus alles “Fickscheiße” ist. Fangen wir beim ersten Sternchen an: Ich kontrolliere also meine Gefühle, das stimmt nur sehr sehr eingeschränkt. Versuche, den Menschen einzurden, ihre Gefühle seien irgendwie “falsch” hat man in der Vergangenheit auch als Gehirnwäsche bezeichnet. Egal: Ich bin deiner Meinung nach schuld, wenn ich mich z.B. über jemanden ärgere, der mich mies behandelt und mich verletzt? Denn abgesehen davon, dass ich mich wegen Punkt 17 nicht ärgern darf – darf ich dann also wegen Punkt 1 die Auseinandersetzung mit der mich verletzenden Person nicht meiden und muss seine Angriffe trotzdem tolerieren und nach Punkt 2 — “Verantwortung übernehmen” — darf ich mich auch noch selbst schuldig fühlen für etwas, wofür ich gar nichts kann. Wenn es mir sowieso schon mies geht, darf ich laut Punkt 5 weder nach Bestätigung suchen, noch mich überhaupt trösten lassen, denn die Gedanken aller anderen Menschen, die mir ja vielleicht Anregungen bei der Lösung meiner Probleme geben könnten – sind auch “Fickscheiße”. Punkt 12 verbietet mir, über meine Probleme zu reden, Punkt 13, Luft zu holen, wenn ich es brauche. Ach so und “halte einfach aus” ist so ungefähr der beste Rat, den man Menschen mit Problemen — emotional oder — geben kann. Warum nicht diese vielen Regeln zusammen fassen zu einem kurzen, knackigen

1. Lass andere mit deinem Scheiß in Ruhe
2. Egal was du hast, es ist deine Schuld
3. Sei asozial

Gib die Liste mal z.B. einer Frau, die in der Ehe vergewaltigt wurde. Oder meinst du nur unechte und irrelevante Problemchen? Könnte ja sein.


Tris am 09.06.2011:

Egal, was andere hier grad sagen: Danke, ich zumindest hab das grad gebraucht.


zebramädchen am 10.06.2011:

Enno, warum suchst Du auf meinem Blog nach Hilfe für Traumapatienten?

Es ist meine Anleitung. Für mich.

Wie ich mit Amüsement und Erschrecken feststelle, interpretierst Du meine schönen Regeln anders als ich. Also werde ich entweder noch einen kleinen Disclaimer hier hin setzen, für den Fall das ein zufälliger Besucher tatsächlich glaubt in diesem Blogbeitrag die Lösung all seiner Probleme gefunden zu haben. Oder ich versehe jeden Punkt mal noch mit drei erläuternden Sätzen. (Aber ich fürchte, dazu bin ich ein bißchen zu faul, und es klänge mir dann zu sehr danach als wolle ich mit irgendwas recht haben.)

Das Buch zum Blogbeitrag gibt’s übrigens dann in so ungefähr dreissig Jahren.


lll am 16.06.2011:

Klingt irgendwie gut, aber auch vermeidend, oder? Keine Sorgen machen, einfach aushalten, nicht jammern, das funktioniert, so kann man super sein Leben durchziehen, aber man hat vielleicht nicht so viel davon. Auf meiner Liste stehen so ähnlich coole Sachen, aber auch, dass ich die schlechten Gefühle manchmal verarzten muss. Ist voll wichtig und so. Wegschieben bringts voll nicht immer.
Finds aber voll geil :D Fickscheisse!


rin am 16.06.2011:

Gestern mit einem sympathischen Menschen gesprochen, dessen Eltern Psychotherapeut und Sozialpädagogin waren und ihrem Kind immer gepredigt haben, wie man’s richtig macht. Froh, dass ich den Disclaimer angehängt habe. – Das alles ist richtig für mich, aber nicht für euch.


rin am 13.09.2011:

Auch gut:
http://kaliban.de/2011/09/fur-siri-ein-versuch/


D.C.Düsenberg am 20.10.2011:

Regeln sind dazu da, aufgesogen zu werden.

Tam-Pon


Kitty am 20.11.2011:

Danke. Das ist gut! Und jetzt habe ich alles gelesen. Schreib weiter…!


Verena am 08.01.2012:

Hm, einiges davon sollte ich tatsächlich mal beherzigen…