Flow

am 05.06.2008 aus einem Notizbuch voller unbeantworteter Fragen hören Ventilatorrauschen trinken Wasser wetter N. A.

Heute habe ich mich kreativ betätigt. Mein Badezimmerverstaudings mit weißen Punkten beklebt. Einzeln und von Hand: Ein weißer Punkt, noch ein weißer Punkt, hier noch einer, da noch einer, dort noch einer ... so viele weiße Punkte.

Das war ein Spaß. Ich war ganz im Flow.

Und das hat mich dann wieder zum Grübeln gedacht. Ich denke schließlich immer mal wieder darüber nach, womit ich ein bißchen Geld zum Leben verdienen könnte, später. Ich meine, ich muss mich ja nicht für immer oder länger entscheiden, is' klar, ich kann so vieles tun. Aber immer suche ich nach so einer groben Richtung an der ich mich orientieren kann. Und hab' sie immer noch nicht gefunden. Ist aber ein anderes Thema.

Jedenfalls dachte ich mir: Jetzt bin ich ganz im Flow. Es macht großen Spaß. Ich wünschte, ich könnte es den ganzen Tag machen. Ist nicht das erste Mal, dass ich das feststelle. Das letzte Mal habe ich ungefähr drei Stunden lang Wolle um einen Kerzenständer gewickelt. Ich war ein flowiges Zebra, sachicheuch.

Bisher war ich irgendwie davon ausgegangen, dass jeder solche Tätigkeiten befriedigend findet. Ich dachte nur, Menschen würden in der Wahl ihrer Geldverdienaktivität ihre Fertigkeiten oft höher gewichten als was ihnen Spaß macht. Schon allein weil man mit dem Entwickeln von Webapplikationen eben mehr verdient als beim Sortieren von Gummibärchen.

Ich ging rüber und konsultierte meinen Berater für weltliche Angelegenheiten: Ob er es auch so genießen würde, bunte Perlen zu sortieren, weiße Punkte aufzukleben, Kügelchen aufzufädeln ...?

Die Antwort war ziemlich eindeutig.

Also nicht.

Jetzt wollt ihr mir sicher sagen, dass ich nicht im Ernst mehrere Stunden täglich bunte Perlen sortieren möchte oder so. Aber hey, ich habe mal sechs Wochen lang Kabel konfektioniert. Es war toll. Meine Lieblingsbeschäftigung bestand darin, vier Zentimeter Stücke von einem kleinen milchig-weißen Schlauch abzuschneiden und dann je eine kleine Metallkugel in das Vierzentimeterschlauchstück zu drücken. Aber auch die anderen Arbeitsschritte hatten ihren Reiz. Die bunten Litzen und das Löten und die Schrumpfschläuche. Dabei hörte man den ganzen Tag Radio und ließ die Gedanken treiben.

Gut, das Radio war scheisse. Aber überlegt mal: Beim Kügelchen-in-Schläuche-drücken kann man den ganzen Tag Podcasts und Hörspiele hören. Den ganzen Tag! Man kann nicht behaupten, dass man dabei nichts Neues lernen oder keine neuen Impulse erhalten würde.

Und ihr? Was macht euch Flow?