Die Paketfrau

am 16.05.2008 aus dem Hier und Jetzt trinken Espresso wetter Abendblau

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Paketfrau nenne ich nicht Paketfrau, weil sie etwa paketförmig oder paketfarben wäre. Nein, sie ist einfach nur die Inhaberin von etwas, was man meines Wissens als "Copyshop" bezeichnet. (Ich glaube, es ist eine Einrichtung für Menschen, die keinen Drucker besitzen. Aber so ganz hat sich mir Sinn und Zweck der Institution noch nicht erschlossen.) Dort kann man jedenfalls auch seine Pakete abholen. Und deswegen nenne ich die nicht-paketförmige, nicht-paketfarbene Frau "Paketfrau".

Als ich zum ersten Mal zur Paketfrau musste, habe ich mich sehr geärgert, dass ich zur Paketfrau musste. Ich wäre viel lieber zur Packstation gegangen. Die Packstation habe ich lieb. Bei Menschen ist das alles etwas komplizierter. Ausserdem hatte ich einen schlechten Tag. An schlechten Tagen ist mit Menschen meistens alles noch viel schlimmer. Aber nicht immer.

Alles kam anders als befürchtet. Die Paketfrau war nett. Und gesprächig. Ich wechselte ganze drei ganze Sätze mit der Paketfrau und verließ die Einrichtung, die jetzt einen gewissen Sinn für mich ergab, mit meinem Paket, deutlich besserer Laune und stolz Smalltalk mit einem fremden Menschen praktiziert zu haben.

Heute musste ich wieder hin. Und dieses Mal habe ich mich sogar darauf gefreut. Und siehe da, heute habe ich schon beinahe zehn Sätze mit der Paketfrau gewechselt. Sie stimmte vollkommen mit mir überein, dass es heiss sei. Ob ich ein paar Briefumschläge bräuchte, die könne sie sowieso nicht mehr verkaufen. Mein Name sei süß.

Eine wunderbare Sache, so ein "Copyshop" als Sandkasten für sozial unbeholfene Menschen. Und Pakete abholen und kopieren kann man da sogar auch!